www.genealogy.at

Das Kärntner Landeswappen

Das historische Wappen Kärntens ist das einzige unter den Wappen der österreichischen Bundesländer, das im Landesgesetzblatt mit Helm, Helmzier und Helmdecken dargestellt wird: in von Gold und Rot gespaltenem Schild vorne drei übereinander gestellte, schwarze, rot bezungte und rot bewehrte schreitende Löwen, hinten ein silberner Balken; auf dem Schild ist ein golden gekrönter Turnierhelm mit rot-goldenen Helmdecken gestellt, der zwei goldene Büffelhörner trägt, die außen mit je fünf goldenen Stäbchen besteckt sind, von denen rechts je drei schwarze, links je drei rote Lindenblätter herabhängen. Im allgemeinen wird aber als Kärntner Wappen nur der Wappenschild geführt, da der Helm mit Decken und Kleinod die Proportionen der Darstellung zusammen mit anderen Wappen in der Regel sprengt.

Das ursprüngliche Kärntner Wappen, wie es die Spanheimer in ihrem Herzogssiegel führten, war ein schwarzer heraldischer Panther in Silber beziehungsweise aus Zobelpelzwerk auf Hermelin.

Home

Kärnten-Info

Adelige Häuser in Kärnten

Genealogische Begriffe

Beispiele, Muster

Kontakt

Poesie

Kärntner Landeshymne

Kärntner Landeswappen

Auf Wiedersehen!

Wappenschablone

Wappenschablone, 1610

Über den genauen historischen Werdegang des Kärntner Wappens existieren verschiedene Auffassungen. Eine quasi "offizielle" Version der Entstehung findet sich in den Erläuterungen zum Kärntner Wappengesetz 1985 in Form eines vom ehemaligen Direktor des Kärntner Landesarchivs, wirkl. Hofrat Dr. H. Wiessner, verfaßten Abrisses, der auch schon im Entwurf des Gesetzes zum Schutz des Kärntner Landeswappens aus dem Jahr 1955 (LGBl. Nr.1/1956) enthalten war. Wiessner schreibt (Z. Zl. Verf.-148/1/1985):

"Herzog Ulrich III. bediente sich, um seinen Ansprüchen auf das durch den Tod Friedrichs des Streitbaren 1246 freigewordene babenbergische Erbe schon äußerlich Ausdruck zu verleihen - sein Vater, Herzog Bernhard, war der Sohn der Babenbergerin Agnes, der Tochter Heinrich II. von Österreich und Schwester Herzog Heinrichs I. von Mödling, Herzog Ulrich III. selbst war in erster Ehe mit Agnes, der Witwe des letzten Babenbergers, in zweiter Ehe mit Agnes, der Großnichte Friedrich des Streitbaren vermählt - seit 1246 nicht mehr des alten Kärntner Pantherwappens (schwarzer Panther auf weißem Hintergrund), sondern eines kombinierten Wappens, das auf der vorderen Hälfte (vom Beschauer links) das Wappen der in Mödling seßhaften babenbergischen Secundogenitur - die babenbergischen Löwen in Dreizahl - auf der hinteren Hälfte (vom Beschauer rechts) den halben Schild von Österreich, den Bindenschild, aufwies.

Als nach dem Tode Ulrichs III. am 27. Oktober 1269 sich König Ottokar II. von Böhmen auf Grund des Podiebrader Vertrages vom 4. Dezember 1268 auch Kärntens bemächtigte, bewog ihn die alte Gleichheit des kärntnerischen und steirischen Wappens - nämlich des Pantherwappens -, dieses völlig aufzugeben und den Schild mit den drei Löwen und der Binde als Kärntner Landeswappen zu designieren.

Der aus dem gekrönten Helm hervorwachsende Pfauenstoß des damaligen Wappens ging auf das österreichische Vorbild zurück. Herzog Meinhard mußte im Kärntner Wappen den gekrönten Helm abtun, da er nicht Rechtsnachfolger der Babenberger war und damit Successor des unter Friedrich dem Streitbaren projektierten Königreiches Österreich-Steier. Er ersetzte den gekrönten Helm durch den Herzoghut, dessen Krempe mit Lindenblättern behangen war.

Nach dem Anfall Kärntens an die Habsburger - 1335 - und damit im Spätmittelalter den österreichischen Ländern der Habsburger zugehörig ("Herrschaft zu Österreich") trat an die Stelle des Herzoghutes wieder der gekrönte Turnierhelm. Weil dadurch die Wappenkleinode Tirols und Kärntens gleich waren, erwies es sich 1363 durch den Anfall Tirols an Österreich als notwendig, für Kärnten einen neuen Helmschmuck zu schaffen, und so wies man nun dem Kärntner Wappen die goldenen Büffelhörner zu, außen mit je fünf goldenen Stäbchen besteckt, deren jedes mit drei rechts schwarzen, links roten Lindenblättern behängt erscheinen. Dabei verschwand auch der vom österreichischen Wappen übernommene Pfauenfederstoß, der aus dem Helm hervorwuchs. In dieser Form ist das Kärntner Wappen bis auf den heutigen Tag auf uns gekommen. Die Kärntner Landesfarben - gelb, rot, weiß - sind dem Wappen entnommen."

Ulrichs III. Bruder Philipp, erwählter Erzbischof von Salzburg, führte den ursprünglichen Spanheimer Panther als Anspruchswappen weiter. Mit seiner Niederlage gegen Ottokar und seinem Tod im Exil erlosch jedoch das Pantherwappen endgültig.

Genaue Abbildungen des historischen Kärntner Wappens in Schwarzweiß und in Farbe finden sich als Anlagen zum Gesetz vom 19. Juni 1985 zum Schutz des Kärntner Landeswappens und anderer Hochheitszeichen des Landes Kärnten (Kärntner Wappengesetz), LGBl. 69/1985. Dieses Gesetz regelt Führung, Verwendung und Schutz von Wappen und Siegel in der im Gefolge des Wappengesetzes 1984 etwas liberaleren Art.

Gust. A. Seyler, Kgl. Preuß. Geh. Rechnungsrat, der Bearbeiter des "J. SIEBMACHER`S grosses und allgemeines WAPPENBUCH, 1. Band 1. Abt. 4. Teil, Wappen der deutschen Souveraine und Lande, Neue Folge, Nürnberg, 1921", schreibt ebendort zur Entstehungsgeschichte des Kärntner Wappens unter dem Titel "Die Spanheimischen Verwandten in Kärnten...." auf Seite 69 bis 70:

"Die Einführung der erblichen Schildzeichen und der Ausbau des Wappenwesens in Deutschland fällt genau zusammen mit der Regierungszeit der Herzöge von Kärnten, Spanheimischen Stammes. Die Wappengeschichte des Landes wird dadurch wesentlich vereinfacht, weil wir die Gewißheit haben, dass dieses Haus, und zwar Herzog Hermann † 1181, der Schöpfer des Wappens zunächst für sich und seine Nachkommen gewesen ist.

Dessen Bruder und Vorgänger, Herzog Heinrich V., bediente sich eines Schildzeichens noch nicht: in seinem Reitersiegel, vorkommend an einer Urkunde von 1161, trägt er einen normännischen Schild mit einer Verzierung (Beschlag): einem sehr flachen Schrägbalken der mit drei Kugeln belegt ist [siehe Wappentafel oben].

Zuerst in einem Reitersiegel des Herzogs Hermann († 1181) einer Urkunde von 1173 angehängt, zeigt sich im Schilde das sogenannte Pantier, welches fortan als Wappen des Herzogtums Kärnten Geltung hat, und von den Nachkommen des Herzogs Heinrich geführt wird.

Herzog Hermann muß in der Wappenfrage mit den weltlichen Brüdern seines Vaters ein Übereinkommen getroffen haben, nach welchem nur noch der ältere derselben, Engelbert III. Markgraf von Krainburg († 1173) den Pantierschild führen, der jüngste aber, Graf Rapoto I., († 1190) ein besonderes Schildzeichen erwählen sollte. Markgraf Engelbert vererbte den Pantierschild auf denjenigen seiner Brudersöhne, der ihm in Kraiburg folgte.

Jan Enenkel beschreibt den Helmschmuck, welchen Herzog Ulrich III. von Kärnten in dem Treffen bei Laa (1246) getragen hat:

Daz warn zwei horn hermein
von phauzvedern also dikhe
daz alda der sunen plikhe
auf dem helm nicht het schein;
so dikh warn die vedern sein.

D. h. zwei dichte Büsche von Pfauenfedern, die wie Hörner - nach außen schräg - auf den Helm gesetzt waren.

Abt Johann von Victring erzählt, wie Herzog Ulrich noch bei Lebzeiten seines Vaters, nach dem Treffen von Laa (1246) von dem Herzog Friedrich II. von Oesterreich gefangen genommen und zur Änderung seines Schildzeichens genötigt worden ist:

"Qui dum, sicut ab antiquo ad eum devenerat, panthere figura in signis militaribus uteretur, conformis in hoc principatui Styriensi, Fridericus dux Australis hoc ferre non valens, clypei et armorum Australium dimidiacione sibi indulta, priori abolita, eum dimisit. Cui ex origine stirpis, ut dicitur, de qua pater suus ex materno sanguine processerat, texuit reliquam partem, scilicet trium leoniculorum, et sic clypeum et armorum suorum effigiem integravit."

Das Geschlecht, aus welchem der Vater des Herzogs von mütterlicher Seite abstammte, war das der babenbergischen Herzöge von Oesterreich, welche zwei Löwen übereinander im Schilde geführt haben.

Der "Clipearius Teutonicorum" des Konrad von Mure aus der Mitte des 13. Jahrhunderts beschreibt das neue Wappen von Kärnten:

Albo Carinti duo nigri stare leones,
sed gilvam zonam medio rubei fore pones.

Also zwei schw. Löwen in S., und einen g. Balken in R. haben die Herzoge von Kärnten damals geführt. Nach A. v. Siegenfeld liegt hier eine absichtliche Vertauschung der Metalle bei der Schaffung des neuen Schildes vor. Dagegen spricht, dass ein gleichzeitiger deutscher Dichter das Schildzeichen in den richtigen Farben kennt:

Nach Johann Enenkel († 1250) war der Schild des Herzogs Ulrich von Gold "dar inn dri lewen swebten, reht alsam sie lebten, die warn swarz, zobelvar"; die andere Hälfte des Schildes rot, "ein stuk da mitten durch wut, der waz von gestein und von perlein weizz, weiss als ein hermlein, ein sne kund niht wizer gesin."

Ulrich III. führt in seinen seit 1247 vorkommenden Siegeln, in deren Umschriften er sich "Sohn des Herzogs von Kärnten" (SIGILLVM VLRICI FILII DVCIS KARINTHIE) nennt, den gespaltenen Schild, darin vorn drei Löwen übereinander, hinten ein Balken. Die Zahl der Löwen ist (selbstverständlich behufs Ausfüllung des Raumes) auf drei erhöt. Als er nach dem Tode seines Vaters (1256) selbst die Regierung des Landes übernommen hatte, nahm er alsbald den Pantierschild wieder auf. Er bekräftigt 1257 eine auf dem Schlosse in Carniola bei Werdeneck gegebenen Urkunde [Mon. boica V, 47] mit seinem Reitersiegel, in welchem der Reiter, nach rechts gekehrt am linken Arm den Pantierschild, in der rechten Hand eine Lanzenfahne (deren Bild nicht erkennbar ist), auf dem Helme ein aus sieben langen Federn zusammengesetztes Kleinod trägt. Eine Zeichnung des Siegels nach einem Abdrucke von 1269 gibt den Helm gekrönt, mit dem Federkleinod, in welchem jedoch Pfauenfedern nicht erkennbar sind [siehe Wappentafel oben].

Philipp, der erwählte, aber nicht geweihte Erzbischof von Salzburg, führte nach dem Tode seines Bruders des Herzogs Ulrichs III. von Kärnten ein ganz weltliches Reitersiegel mit der Umschrift: "Philippus.Die.Gra.Dux Karinth(ie) et Dns.Karniole." Der nach rechts sprengende Reiter trägt am Arme den alten Schild mit dem Pantier, auf dem Helme eine Krone die hier einen wesentlichen Teil des Helmschmucks bildet, besteckt mit einem aus sieben Federn gebildeten Pfauenspiegel [siehe Wappentafel oben]. Dieses Reitersiegel hängt an dem Testamente des Herzogs Philipp vom 19. Juli 1279.

Als nach dem Tode des Herzogs Ulrich III. von Kärnten (1269) König Otakar II. von Böhmen sich in den Besitz des Landes Kärnten setzte, adoptierte er für sein Majestätssiegel das neue Schildzeichen von Kärnten, den gespaltenen Schild, darin vorn drei Löwen untereinander, hinten ein Balken; damit war diese Zusammenstellung zum Landeswappen von Kärnten gestempelt.

In einer Reimchronik des 14. Jahrhunderts wird das Wappen beschrieben:

Schild und banir sin was gelich
geteilet halp von Oesterrich
das ander gar von golde
nach werder wibe solde
darauz drei lewen geben glast
von choczer siden swarcz gebast,
widersehende ob einander.

Ich gebe noch das Wappen "Herzog von Kärnten" nach dem W.-B. des Persevanten Hans Ingeram v. 1459 (in der Fideikommißbibliothek der freiherrl. Familie v. Cotta) bekannt: Gespalten g. r., vorn die drei schreitenden schw. Löwen, hinten s. Balken. Gekrönter Helm: zwei g. Büffelhörner besetzt an der Außenseite mit je sechs r.-schw. Querstäbchen, von denen je drei r.-schw. Blätter herabhängen. Decken: r. s. [siehe Wappentafel rechts]."

Wappen, 1161
1161

Zur englischen Version


Wappen 1173
1173


Siegel 1253
1253

Wappen 1257
1257

Wappen 1257
1257

Wappen 1459
1459

Wappen 1470/1500 - St. Paul
1470/1500

Wappen Schweizertor
1552/53

Wappen 1567
1567

Wappen 1585
1585

Wappen 1590/1625
um 1590/1625

Wappentympanon 17. Jhdt.
1591

Wappen 1610
1610

Wappen 1635
1635

Wappen 1688
1688

Wappen 1688
1688

Wappen 1856
1856

Wappen 1895

1895

Wappen seit 1955
seit 1955

Seitenbeginn

Copyright ©1999-2005 by Hans Pawlik. Alle Rechte vorbehalten.
Letzte Änderung:
17.X.2005